Made in Witten: Softwareentwickler aus Herbede wollen weiter schnell wachsen

30.05.2014 | 15:17 Uhr

Foto WAZ 30.05.2014
Innenansicht von Insert (v.r.): Die drei Gesellschafter der Softwareschmiede Jens Beuing, Frank Marx und Andreas Urban mit Vertriebler Andreas Klein.
Foto: Thomas Nitsche

Die in Herbede ansässige Software-Firma Insert Infotech ist seit ihrer Gründung 2011 von drei auf 14 Mitarbeiter gewachsen. Ihr Programm „Mission Control“ wurde auf der Cebit ausgezeichnet und wird bereits in Dubai, Hokkaido und Remscheid eingesetzt.

Wenn in Dubai die Klimaanlage ein es überhitzenden Kühllasters ferngesteuert anspringt, die Autobahnmeisterei von Hokkaido den Abtransport eines am Straßenrand abgestellten Kühlschranks per Handybild organisiert oder in Remscheid die Bürger per Abfall-App auf dem Smartphone an den verschobenen Müllabfuhrtermin erinnert werden, dann steckt unmerkbar jedes Mal Software aus Witten dahinter. Auf der Cebit preisgekrönte Software: Das Programm „Mission Control“ stammt von Insert Infotech, einer aufstrebenden Software-Firma aus Herbede. Nur in Witten sind ihre Spezialanwendungen nicht im Einsatz, zumindest noch nicht.

Das unrepräsentativ im Gebäude des Straßenverkehrsamtes in Herbede angesiedelte Unternehmen expandiert seit seiner Gründung stark. 2011 gab es drei geschäftsführende Gesellschafter um Gründer Frank Marx. Heute sind es 14 Mitarbeiter, die rund eine Million Euro Umsatz erwirtschaften, und die Ausrüstung des letzten Messeauftritts stapelt sich aus Kein-Platz-Gründen auf dem Billardtisch. „Wollen Sie ihn kaufen?“, fragt Andreas Klein, bei Insert für Vertrieb zuständig, beim Besuch der WAZ.

Jeder einzelne Baustein wird Kunden angepasst
Zum Billardspielen scheint hier zurzeit niemand zu kommen. „Kundennähe ist das große Plus von Insert“, sagt der 34-jährige, aus Schwelm stammende Klein. „Wir sind immer Manufaktur, die jeden einzelnen Baustein des Kunden anpasst.“ „Mission Control“, die Software mit dem militärisch nach PC-Spiel anmutenden Namen, ist „einsatzfähig für alles, was fährt, fliegt oder schwimmt“, so die Werbung aus Witten. Damit landete Insert auf der diesjährigen IT-Messe Cebit in Hannover auf der Bestenliste des Bundesverbands IT-Mittelstand als eines von 30 Unternehmen, und das unter immerhin 5.000 Bewerbungen.
„Mission Control“ beruht auf der Software AIS für Entsorger, die die Insert-Vorläuferfirma bereits 1998 gemeinsam mit dem Umweltservice Bochum entwickelt hatte. Mit Entsorgern sind die Wittener groß geworden, vielleicht deshalb prangt das Firmenlogo von Insert auch auf dem Toilettendeckel.

Anzeige auf Display ersetzt Aktenberge
Mit „Mission Control“ lässt sich praktisch für jede Mülltonne eine Info mitgeben. Der Mitarbeiter des Entsorgers auf der Straße erfährt etwa, wo die Tonne genau steht und in welchem Rhythmus sie abgeholt werden muss. Die Anzeige auf einem Display von Handy oder Tablet-PC ersetzt dabei die in der vordigitalen Zeit unumgänglichen Aktenberge in der Verwaltung und Papierstapel vor Ort.
Damit macht sie die praktische Durchführung bestimmter Dienstleistungen erst möglich. Alle möglichen Verknüpfungen sind – siehe Anfang – denkbar und können von Insert zielgerichtet entwickelt werden. Wo muss der Streu- und Räumwagen die Bürste oder das Salz auf die Straße bringen, weil der Anlieger für die Reinigung vor seiner Tür bezahlt hat, der Nachbarn aber nicht – „Mission Control“ weiß es. Und dokumentiert es beweiskräftig für die Abrechnung.

Gerd Heidecke